Dampfdiffusion

und Taupunktbestimmung

 

Unter Diffusion versteht man im Duden gegenseitiges Durchdringen. Unter Dampfdiffusion im baulichen Sinne versteht man das wandern kleinster gasförmiger Wasserteilchen durch den Baukörper.

Betrachten wir uns eine Außenwand während der Heizperiode, so werden wir feststellen, dass wegen höherer Wärme der Innenräume hier zwar eine niedrigere, relative Luftfeuchtigkeit als außen herrscht, absolut gesehen gegenüber außen aber ein höherer Wassergehalt in der Luft gehalten wird. Dazu muss man wissen, dass je wärmer Luft ist, umso mehr Feuchtigkeit von ihr gehalten werden kann.

Beispiel:
In 20° warmer Luft können max. 17,3 g/m³ Wasser gasförmig gehalten werden. (^=100% rel. Luftfeuchte). Wird weitere Feuchte zugeführt, fällt der Differenzgehalt aus.              D.h. er sinkt in flüssiger Form zu Boden, oder schlägt sich an den Wänden nieder (Schwitzwasser).

In -10° kalter Luft können nur max. 2,14 g/m³ Wasser gasförmig gehalten werden. (^=100% rel. Luftfeuchte). Ist die Feuchtekonzentration höher, fällt der Differenzgehalt wie     vor beschrieben aus.

Daraus ergibt sich folgendes Rechenbeispiel (stark vereinfachte Beschreibung):
Innentemperatur +20°, rel. Luftfeuchtigkeit 55% =  9,5 g/m³ Wassergehalt.
Außentemperatur -10°, rel. Luftfeuchtigkeit 85% =  1,8 g/m³ Wassergehalt.
Differenz    7,7 g/m³ Wasser

Sowohl flüssige, als auch gasförmige Elementarteilchen haben das Bestreben sich auszugleichen. In unserem Fall bedeutet das, dass sich der Innendruck, den der höhere Wassergehalt beschreibt, mit dem Außendruck, der den niedrigeren Wassergehalt beschreibt, ausgleichen will. Vereinfacht ausgedrückt: Die Innenluft ist schwerer als die Außenluft. Sie wandert also einschließlich ihrer gasförmigen Feuchte durch die Wand nach außen. Da die Wand nach Außen immer kälter wird, kühlen auch die in der Luft enthaltenen Wasserdampfpartikel entsprechend ab. Ist die Wand nur noch 10° warm sind 100% rel. Luftfeuchte erreicht. Mehr geht nicht. Ab hier wird sich Feuchtigkeit auf der weiteren Wanderung ins Freie niederschlagen, Bei gleichen Innen- und Außenverhältnissen werden sich kontinuierlich 7,7 Gramm Wasser in einem Quadratmeter Wandfläche ansammeln. Die Wand wird nass und nässer! Damit nicht genug, denn Nässe ist ein guter Wärme-/Kälteleiter! Praktisch heißt das, die Wärmedämmfähigkeit der Außenwand lässt eklatant nach! Um es innen behaglich warm zu haben und die Temperatur zu halten, müssen wir kräftig nachheizen.

Solange im Sommer genügend lang Wärme vorhanden ist, wird die Wand wieder austrocknen. In aller Regel wird es zu keinen bleibenden Schäden führen. Kann die Wand nicht austrocknen, kommt es wie wir alle wissen, in Laufe der Jahre zu massiven Bauschäden die in der Unbrauchbarkeit des Gebäudes enden.

Der Baumarkt bietet durch aufkleben von Dampfbremsen in Form von Folien‚einfache und hochwirksame Lösungen an. Doch Vorsicht! Was sich so leicht anhört ist hochkomplex. Genaue bauphysikalische Kenntnisse sind erforderlich, soll der Schuss nicht nach hinten losgehen oder zum Rohrkrepierer werden.

Selbstverständlich kann der erfahrene Ingenieur mit den uns heute zur Verfügung stehenden Baumaterialien hier wirksam gegensteuern und durch Berechnungen den ideellen1) Taupunkt genau bestimmen.

Bei normalen Gegebenheiten und unter normalen Umständen kann bei normalem, homogenem Mauerwerk m.E. auf eine Taupunktberechnung im allgemeinen Wohnhausbau verzichtet werden. Auch wird sich eine Außendämmung positiv auswirken, weil der Taupunkt nach Außen verschoben wird, was bedeutet, dass sich im Inneren der Wand weniger Feuchtigkeit niederschlagen wird. Bei einer (nachträglichen) Innendämmung, z.B. im Fachwerkbau, rate ich grundsätzlich zu einer Taupunkberechnung um nicht mehr kaputt zu machen, als man vermeintlich besser machen will.

Auch im Industriebau ist eine Taupunktberechnung in aller Regel sinnvoll, denn zu komplex sind die betrieblichen Einwirkungen und die gewünschten, zu verwendenden Materialien.

Neuralgische Punkte im allgemeinen Wohnbau sind Räume mit Außenecken (z.B. Längswand – Giebel) und Fensterlaibungen die durch gekippte Flügel ständig unterkühlt sind. Weiter un- oder mangelhaft gedämmte Wand- Deckenanschlüsse bei Massivdecken und auskragende Balkone. Durch die sich niederschlagende Feuchte entsteht ein Paradies für Pilswachstum. Nicht zu vergessen Rollladenkästen, bei der sich die Schimmelbildung an der Außenseite der Innenwangen nicht einsehbar bildet. Ist der Pils erst an der Innenwand sichtbar, ist es oft zu spät. Der RL-Kasten muss ausgetauscht werden!

Das Abenteuer Pilsbefall an Kellerwänden soll hier nicht thematisiert werden. Es führt für eine Kurzinfo zu weit und muss getrennt behandelt werden.

Um alles gut aufeinander abzustimmen erhalten Sie vom mir eine ausführliche Beratung die auch die Wahl der Materialien betreffen wird, mit anschließenden Berechnungen und Nachweisen.

Ist ein Bauschaden bereits eingetreten, beschreibe ich ihn auch gern gutachterlich und zeige Ursachen, Auswirkungen und Gegenmaßnahmen auf.

Scheuen Sie sich nicht mich anzufordern. Sie werden es nicht bereuen!  

 

1) Da sowohl die Luftfeuchte, als auch die Temperaturen einem dauernden Wandel unterworfen sind, handelt es sich in den Berechnungen de facto um ein punktgenau angesetztes Zeitfenster. Berechnungen nach DIN 4108 Teil 3 (klimabedingter Feuchteschutz) beschreiben eine Jahresbilanz deren Angaben sich auf Messungen im langjährigen Mittel  beziehen.